04.-06.09.2026
"Praemeditatio Venturorum ad Elysium Aedificandum"
Art Agentur, Cologne, Germany
curated by Dr. Peter Lodermeyer and Clara Lundershausen

Aljoscha gehört zu der selten gewordenen Fraktion von Kunstschaffenden, die der Kunst noch einen weltverändernden, utopischen Impetus zutrauen. Bestärkt von den enormen Fortschritten, die die synthetische Biologie in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, nimmt er in seinen Werken eine Entwicklung vorweg, in der Menschen fähig sein werden, völlig neue Lebensformen zu schaffen, die mit Eigenschaften ausgestattet sind, die wir uns heute noch kaum vorstellen können. So denkt er sich in eine Zukunft hinein, in der Künstler und Künstlerinnen ganz selbstverständlich mit biologischen Substanzen, mit lebendigen Werkstoffen umgehen werden. Seine Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen und Installationen sind als Modelle dieser kommenden Ära zu verstehen. Konsequenterweise bezeichnet er seine Kunst als „Bioismus“ oder „Biofuturismus“.
Aljoschas Installation in der ART AGENTUR KÖLN trägt den anspruchsvollen Titel PRAEMEDITATIO VENTURORUM AD ELYSIUM AEDIFICANDUM. Man kann dies in etwa als „gedankliche Vorwegnahme des Kommenden, um ein Elysium zu erschaffen“ übersetzen. „Paradise engineering“ wäre ein vergleichbares Stichwort, das Aljoscha gerne benutzt, um die Vorstellung einer bioistischen Ästhetik zu kennzeichnen, die notwendigerweise von einer neuen, umfassenden Bioethik begleitet sein müsste. Seine künstlerische Praxis versteht er selbst als Ausdruck eines „bioethischen Abolitionismus“, der auf die Abschaffung von Leid zielt.
So abstrakt die bioistische Theorie auch erscheinen mag, Aljoschas Kunstwerke präsentieren sich in konkreter sinnlicher Präsenz. Ihre Starkfarbigkeit – grelles Gelb, Violett, Neonpink – signalisiert Vitalität und Energie. Die Formen sind komplex, aus jedem Blickwinkel überraschend anders, kein Standpunkt zeigt dasselbe Werk zweimal. Mit ihren Wucherungen, Tentakeln und Auswüchsen erinnern sie vage an bekannte Lebensformen, an Flechten, Quallen, Tiefseefische oder extrem vergrößerte Mikroorganismen. Mit zunehmender Farbigkeit und Komplexität werden sie immer rätselhafter – wie Wesen aus dem All oder aus einer anderen Dimension.
Aljoschas Objekte bleiben vertraut genug, um an Lebensformen zu erinnern, die wir kennen, und sind doch fremd genug, um eine Ahnung davon zu geben, was Leben jenseits unserer heutigen Vorstellungskraft noch sein könnte. Wer seine Installation betrachtet, begibt sich in ein Gedankenexperiment über die Zukunft des Lebendigen selbst, irritierend und betörend zugleich.
Dr. Peter Lodermeyer













